Kennt jemand noch?

Kennt jemand noch „Videotheken“?

Gerade im Moment ist der Fernseher einer meiner besten Freunde. Wenn auch mit beschränktem Intellekt, aber dank Internet und Streaming kann man das ja halbwegs beeinflussen. Früher war das nicht so einfach. Zumindest aber das miserable TV-Programm hat sich über die Zeit retten können.

Zeit war es schließlich auch, was man brauchte, um die Glotze glotzenswerter zu machen. Den Fernseher zu füttern – da half einem am ehesten die Videothek. Und zu dieser musste man schließlich erstmal hinlaufen. Videotheken gibt es auch heute noch, aber ich muss gestehen, seit Jahren in keiner mehr gewesen zu sein. Vielleicht mal zum Chips kaufen – das kann ich nicht ganz ausschließen.

Sie sind aber definitiv seltener geworden. Bei mir in der Umgebung gab es damals gleich 3 Stück mit weniger als 10 Minuten Fussweg. Ich wohne nicht mehr dort, aber es sind nun wahrscheinlich Sanitätsläden oder Akustiker. Irgendwas für alte Leute – den Kunden von damals sozusagen. Vielleicht aber auch nur ein einfaches Nagelstudio.

Netflix & Co waren in den 90ern kein Thema. Zugegeben ist dieser Fernseher hier ein bisschen älter.

Doch zurück zu den Videotheken. Das waren mies verwinkelte Läden in denen die leeren Videohüllen an Wandregalen präsentiert worden. Zu jeder Kassette gehörte auch ein Kärtchen, welches man wegnehmen konnte, sofern der Film nicht bereits ausgeliehen war.

Diese Karten gab es bei uns in drei verschiedenen Farben. Je Kalendertag kostete eine Ausleihe so zwischen 1DM (sehr alte Filme), 2DM (alte Filme) und 3DM (alles andere). Für einen Filmabend hat man also für einen Blockbuster knapp 3€ bezahlt, da man in der Regel zwei Kalendertage brauchte. Wer möchte schon abends nach 2 Tüten Chips und einem Liter Bier noch um 22 Uhr im Dunkeln zur Videothek latschen. Das System war bei Videokassetten und DVD das gleiche, nur das nicht zurückgespulte Videokassetten noch einmal eine DM gekostet haben bei der Rückgabe. Immerhin hat das Zurückspülen je nach Videoplayer mehrere Minuten gedauert.

Nicht zurückgespulte Kassetten kosteten extra 😉

Ich weiß nicht warum, aber das waren immer irgendwie merkwürdige Leute, die in den Videotheken gearbeitet haben. Irgendwas zwischen Punk und Mutti. Sie haben ja auch alles über deinen Filmgeschmack gewusst. Da man meist die Filme nicht alleine aussuchen gegangen ist, war ihnen auch dein Bekanntenkreis bekannt. Wahrscheinlich auch dein Arbeitszeitmodell. Und da es auch schmuddelige Ecken in diesen Videotheken gab (für diverse Internetseiten war das Web noch nicht schnell genug), bei so manchem sogar etwas über die sexuellen Vorlieben. Mit anderen Worten, die Dame (meist waren es Frauen) am Verleih wollte man nicht unbedingt zum Feind haben.

Später konnte man auch Spiele ausleihen (SNES, Megadrive, Playstation), da ist man bei wirklich begehrten aber oftmals umsonst hingelaufen. Sie waren immer vergriffen. Sogar die passende Konsole konnte man sich im Notfall dazu ausborgen – sofern nicht bereits verliehen. Das haben wir, als wir jung waren, auch ein paar mal getan.

Man konnte mit Videos, Spielen oder Zubehör sowie Bier und Chips schon eine Menge Geld in der Videothek lassen. Wahrscheinlich gab es diese deswegen auch an jeder Ecke. Alle irgendwie ähnlich, aber da man sich persönlich anmelden musste mit Ausweis und Co, hatte man da schon seine Stammvideothek.

Auch Spielekonsolen, wir dieses SNES, konnte man sich damals ausleihen.

Ich kann mich noch erinnern. Als die ersten DVDs in den Videotheken auftauchten, hat man sich schon gefragt, ob sich das je durchsetzen wird. Auch ich war da kritisch. Aber naja – hat sich ja letzten Endes auch nicht, oder wer außer Sammler kauft heute noch DVDs? 😉

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