Malaysia,  zwischendurch angemerkt

So schaut‘s aus „zuhaus‘“

Eine gefühlte Ewigkeit ist der letzte Blogeintrag nun schon her. Auch für mich ist es im Moment schwer klare Gedanken zu finden. Die Ausrede „ich hatte keine Zeit“ wird wohl kaum glaubhaft sein. Eigentlich sind wir gut dabei gewesen Asien zu erkunden – Hongkong, Macao, Südkorea, Japan, Brunei und Taiwan hatten wir schon bereist. Aber nun ist hier erst einmal Schluss mit reisen. Reisen ist im Moment weder möglich noch ist es besonders verantwortungsvoll. Bis Ende April bleiben wir definitiv hier – wahrscheinlich sogar bis Ende Mai. Unser Visa hat jedenfalls Gültigkeit bis Mitte Juni.

Warum wir jetzt nicht zurück in die Heimat nach Deutschland fliegen? Das können wir auch später noch tun, zumal wir dort auch gar keinen Wohnsitz (und Möbel) mehr haben und die Selbstquarantäne auch schwer wäre. Einen passenden Job zu finden ist im Moment sicher auch nicht so einfach (wenn ich auch den Vorteil habe, dass ich aus dem LEH komme). Es kommt bei jedem halt immer auf den Einzelfall an, ob er im Ausland bleibt oder nicht.

Wir haben uns nun in KL „niedergelassen“. Die Sonne geht unter, aber sie geht auch wieder auf.

Wir versuchen die Ausgaben niedrig zu halten im Rahmen des vertretbaren (ungefähr die Hälfte des geplanten Monatsbudgets). Das ist dann unsere Weise damit umzugehen. Neun Monate Erkundungen haben wir noch vor uns – und da freuen wir uns auch drauf – ob nun Herbst 2020 oder Frühjahr 2021 oder wann auch immer wieder alles normal sein wird. Wir leben ja noch und müssen uns ja nun nicht verhalten, als wären wir bereits tot.

Ich entdecke zum Beispiel die Lust am Kochen wieder (sofern ich sie je besessen habe) und jedem Abend gibt es leckeren Tomatensalat. Was man aber vermisst ist leckeres Brot und vor allem richtiger Käse. Dafür schmecken die Süsskartoffeln hier aber besonders gut.

Spaß am Kochen. Hier: Süsskartoffeln mit Tofu, Gurken, Paprika und Ei.

Unsere Unterkunft im 35. Stockwerk eines Apartmenthauses bietet alles was wir derzeit brauchen. Ein schönes grosses Schlafzimmer mit einer riesigen Glasfront mit der Aussicht auf Kuala Lumpur und ein langes Wohnzimmer mit Küche und Essbereich sowie eines Balkons mit Blick auf die bekannten Petronas-Zwillingstürme. Ganz besonders freut es mich, dass der TV auch Netflix unterstützt. Wichtig in Zeiten des Lockdowns, wo Pool oder Fitnessbereich der Gebäudeanlage im Moment geschlossen sind.

Die Freizeitangebote im Haus sind wegen der „movement control order“ leider nicht zugänglich. Das ist aber auch vernünftig, gerade im Gym tummelten sich doch einige Leute auf engsten Raum.

Wie sieht es generell mit Corona in Malaysia aus. Es gibt hier derzeit 2320 infizierte Fälle, wovon aktiv noch 1973 sind und 320 bereits kuriert. Das Virus hat bisher 27 Menschenleben eingefordert (Stand 28. März). Das Gesundheitssystem ist aktuell noch sehr gut der Lage gewachsen. Eine große Welle wie in Europa würde das System aber auch hier schnell überlasten. Generell hat Malaysia in Südostasien aber eines der besseren Gesundheitssysteme. Wir wollten es einfach vermeiden, in Zeiten der ganzen Beschränkungen weltweit auf einer Insel ohne irgendwas in Indonesien, Thailand oder den Philippinen festzusitzen.

Das Gesundheitsministerium informiert jeden Tag gegen 17:00 Uhr über die aktuelle Entwicklung. Viele Informationen und Hinweise kommen auch via SMS.

Ein Vorteil hier ist auch die gute Beziehung von Malaysia zu China. Es kamen bereits viele bedeutende Hilfslieferungen vom chinesischen Festland hier an und die beiden Regierungen stehen im engen Austausch. Die WHO wird zudem Malaysia bei der Anfertigung einer Studie mit dem Medikament remdevisir unterstützen.

Viele der Fälle hier gehen zurück auf eine Zeremonie in einer Moschee nähe Kuala Lumpur mit 16.000 Teilnehmern Ende Februar. Diese religiöse Veranstaltung wirkte in der Region wie ein Brandbeschleuniger. Das Cluster steht hier demzufolge unter besonderer Beobachtung und in diesem Zusammenhang wurden auch bereits 1207 Menschen positiv auf Covid-19 getestet, was die Hälfte der Gesamtfälle in Malaysia entspricht.

Im Moment ist man auch gerade dabei die Testkapazitäten deutlich auszubauen und auf über 20.000 am Tag (derzeit sind es wohl knapp 4.000, anfangs ca. 1000 Tests) zu steigern. Die MCO (die “movement control order”) ist hier bereits seit 18.3 aktiv und wurde vor zwei Tagen bis zum 14.04 verlängert. Es handelt sich dabei um die gängigen Beschränkungen. Die Unterkunft darf nur für essentiell wichtige Arbeit oder zum Einkaufen verlassen werden. Nach Möglichkeit soll nur ein Familienmitglied je Wohnung die Besorgungen erledigen. Eine Ausreise mit dem Flugzeug wäre aber theoretisch noch möglich für uns (sofern es vernünftige Flüge gäbe).

Restaurants und Cafés dürfen nur Take-Away anbieten – viele Cafés haben aber auch komplett geschlossen. Lieferservice ist hier natürlich kein Problem – wie üblich in Asien läuft dies dann alles über die Anbieter Grab oder Foodpanda. Bei beiden gibt es mitunter auch immer wieder verschiedene Aktionen (bspw. haben wir letztens 4 Pizzen von Pizza hut zum Preis von zweien gekauft, also ca. 11€). Die Supermärkte sind hier noch wirklich gut bestückt, zumindest die grossen Ketten wie Heros oder Giant. In unserem kleinen Supermarkt im Erdgeschoss habe ich hingegen das Gefühl, dass nicht so richtig Ware nachkommt. Aber man bekommt meist immer irgendwelche Alternativen dann.

Pizzaparty. Ganz wichtig: die Fernbedienung für die Klimaanlage in der Mitte.

Die Strassen sind auch relativ leer. Die MCO wird von der Polizei und teilweise auch dem Militär kontrolliert. In unserem Viertel haben wir davon aber noch nicht allzu viel mitbekommen. Man wird über alle Beschlüsse und Neuigkeiten in der Regel per SMS informiert – das finde ich sehr praktisch.

Die MCO zeigt auch Wirkung. Die Straßen sind tagsüber und nachts ziemlich leer.

Überall steht Desinfektionsmittel herum, sei es im Supermarkt, beim Eingang in das Apartmenthauses oder im Café – teilweise wird auch die Temperatur gemessen oder die Ausweisnummer inkl. Kontaktdaten notiert. Der wichtigste Unterschied besteht aber darin, dass fast alle Menschen hier Atemmasken tragen. Auch wir sind mittlerweile dazu übergegangen Masken zu benutzen (wir hatten in Taiwan damals welche gekauft). Anfangs habe ich den Aussagen in Europa getraut, mittlerweile überzeugt mich aber das Argument hier, dass das Ansteckungsrisiko erheblich minimiert wird sofern alle eine Maske benutzen. Auch fühlen sich die Einheimischen dadurch in meinen Augen gegenüber uns wohler. Da viele Touristen hier ohne jeglichen Schutz (für andere) rumlaufen birgt dies in meinen Augen auch die Gefahr, dass es zu Abneigungen gegenüber Touristen seitens der malaysischen Bevölkerung kommen kann.

Auch wir waren „Shoppen“. Es ist schon erstaunlich, was selbst zwei Personen so alles benötigen an Lebensmitteln, wenn man nicht nur Pizza kauft.

Das wäre natürlich schade. Diese Stadt gefällt mir nämlich, zumindest dass was ich bereits gesehen habe. Und ich freue mich, wenn die MCO beendet ist, die schönen Ecken von Kuala Lumpur zu erkunden. Einziger Knackpunkt: mit 34 Grad tagsüber ist es doch enorm warm, wenn nicht gar eklig heiß.

Entspannen auf dem Balkon, bei „angenehmen“ 34 Grad und Lemon-Bier mit 1% Alkohol.

Eines steht aber auch fest: das Reisen hat sich nachhaltig verändert. Man ist vorsichtiger geworden und man muss Hemmschwellen überwinden beim Smalltalk mit fremden Leuten. Aber daran kann man arbeiten. Das liegt ja in der eigenen Hand. Wir sollten unser Leben nicht nach den Ängsten, sondern den Wünschen ausrichten.

Vom Balkon aus haben wir Blick auf ein Krankenhaus. Das könnte ich in Zeiten wie diesen durchaus besonders hervorheben. Aber vielleicht wäre das genau der Fehler. Direkt neben dem Hospital befindet sich ein riesiges Geburtshaus. Darüber lohnt es doch vielmehr zu berichten – ganz dem Motto geschuldet – es geht weiter und das tägliche Leben wird wieder beginnen unbekümmert zu sein. In jeder Hinsicht. Guten Morgen.

2 Kommentare

  • Avatar

    Patrick Tasch

    Hallo!
    Eindrucksvoller Bericht! Ich drück die Daumen, dass es bald wieder weitergeht in die weite Welt!! Alles Gute weiterhin Ihnen beiden!

    • Avatar

      Stefan

      Hallo Patrick, klar geht es irgendwann weiter. Danke für die aufmunternden Worte. Im Moment lebt es sich hier ja wirklich gut, aber es ist natürlich auch erschreckend monoton 😉

Schreibe einen Kommentar zu Patrick Tasch Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.